Gut ein Jahr ist es her, dass Mira für eine neue Stelle nach Hamburg gezogen ist. Den Deutschkurs hat sie sofort gebucht – zweimal pro Woche, abends nach Büroschluss. Trotzdem stockte es genau dort, wo es darauf ankam. „Im Kurs habe ich alles mitgeschrieben und auch verstanden“, erzählt sie. „Aber sobald ich selbst antworten sollte – im Team-Meeting, beim Bäcker, am Telefon mit der Hausverwaltung –, war mein Kopf plötzlich leer.“
Sprachlehrerinnen und -lehrer kennen diese Schilderung gut. Gruppenunterricht legt ein verlässliches Fundament aus Wortschatz und Grammatik. Was dabei fast zwangsläufig zu kurz kommt, ist die eigene Redezeit. Sitzen fünfzehn bis zwanzig Menschen im Raum, spricht jede und jeder Einzelne pro Unterrichtsstunde oft nur wenige Minuten selbst.
Eine Stunde, zwei Rechnungen
Wie viel man in 60 Minuten tatsächlich selbst spricht
eigene Redezeit pro Kursstunde*
am Stück und zur selbst gewählten Uhrzeit
* rechnerischer Wert bei 15–20 Teilnehmenden pro Unterrichtsstunde · Jedes Quadrat steht für eine Minute.
Eine Kettenreaktion
Wer mehr spricht, gewinnt mehr als nur Vokabeln
- 1
Die Sätze kommen schneller und das Reden kostet spürbar weniger Kraft.
- 2
Im Beruf fallen feine Nuancen auf – Ironie, Andeutungen, das, was nur zwischen den Zeilen steht.
- 3
Der Arbeitstag bringt weniger Missverständnisse und deutlich mehr Selbstvertrauen.
- 4
Die Arbeitsmarktforschung sieht den Effekt im Schnitt sogar auf dem Gehaltszettel.
Eine Garantie für den Einzelfall ist das nicht. Die Zahl unten stammt direkt aus dieser Forschung.